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Kapitelübersicht
Inhalt
3.4.2
Ernährung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen *AP*
Factbox
- Behandlung und Vorbeugung von Mangelzuständen
- Behandlung von Symptomen und Entzündungsaktivität
- Beachtung von Sondersituationen wie Stenosen, Fisteln, Stoma, Operationen, …
- Betroffene sollten zu Beginn der Diagnose und danach in regelmäßigen Abständen auf Mangelernährung und Nährstoffdefizite gescreent werden (Artikel 1.3.2)
- Nach längerer Nahrungskarenz besteht erhöhtes Refeedingrisiko (Artikel 5.2.1)
Definition
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) zeichnen sich durch schubweise rezidivierende oder kontinuierlich auftretende, entzündliche Veränderungen des Darms aus. Die wichtigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. In Europa leben ca. 2,2 Mio. Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, wobei die Prävalenz bei 150 von 100.000 Personen für M. Crohn und bei 200 von 100.000 Einwohner:innen bei Colitis ulcerosa liegt.Nährstoffbedarf
Kalorienziel
20-35 kcal/kg KG
in Abhängigkeit von körperlicher Aktivität (Artikel 1.3.1)
Eiweißziel
Remission: 1 g/kg KG
Schub: 1.2-1.5 g/kg KG (Artikel 1.3.1)
Sonstiges
Kritische Nährstoffe: Eisen, Vitamin D, Folsäure, Vitamin B12
Umsetzung der Ernährungstherapie
Orale Ernährungstherapie
- Prinzipiell sollte bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) – wann immer möglich – eine vollständig bedarfsdeckende orale Ernährung angestrebt werden.
- Es gibt keine spezielle „CED-Diät“, die Lebensmittelauswahl sollte sich an den Empfehlungen der Vollkost unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse/Symptome/Unverträglichkeiten orientieren. Diätversuche mit Eliminationsdiäten sollten nur unter engmaschiger ärztlicher und diätologischer Kontrolle zum Einsatz kommen.
- Betroffene Personen sollen in ein langfristiges ambulantes interdisziplinäres Betreuungsprogramm eingebunden werden.
Enterale Ernährungstherapie (Sonden- oder Trinknahrungen)
- Es können prinzipiell ballaststoffhaltige Standardsondennahrungen eingesetzt werden. Chemisch definierte Lösungen können in seltenen Fällen bei Vorliegen einer schweren Malabsorption in Erwägung gezogen werden.
- Es können nasale und perkutane Sonden verwendet werden. Die Verabreichung sollte nach Möglichkeit mit einer Ernährungspumpe erfolgen.
- Vollständige oder teilweise enterale Ernährungstherapie kann zur Reduktion der Entzündungsaktivität eingesetzt werden, wenn eine Kontraindikation gegen Corticosteroide und/oder der Wunsch nach einer alternativen Therapie besteht.
Parenterale Ernährungstherapie
- Parenterale Ernährung soll dann eingesetzt werden, wenn orale und/oder enterale Ernährung nicht oder nicht ausreichend zur Bedarfsdeckung eingesetzt werden kann.
- Es können Standardlösungen verwendet werden.
Besonderheiten
- Bei Vorliegen von Fisteln kann je nach Lage und Beschaffenheit eine vorübergehende vollständige parenterale Ernährungstherapie notwendig sein.
- Bei Vorliegen von Stenosen kann je nach Lage, Länge und Durchmesser eine vorübergehende vollständige parenterale Ernährungstherapie notwendig sein.
- Bei Auftreten von massiver Diarrhoe bzw. Vorliegen eines High-Output-Stomas muss auf eine ausreichende Flüssigkeitssubstitution (ggf. auch parenteral) geachtet werden.
- Eine intensivierte klinische Ernährungstherapie sollte vor Operationen eingesetzt werden, insbesondere wenn eine Mangelernährung vorliegt (Artikel 1.1.2).
- Nach längerer Nahrungskarenz besteht erhöhtes Refeedingrisiko (Artikel 5.2.1)
AUTOR:INNEN
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