Kapitelübersicht

Inhalt

1.3.2

Ernährungs-Screening und Assessment

Factbox

  • zur Identifizierung von Personen mit Risiko für Mangelernährung
  • Verwendung eines validen und reliablen Instrumentes (Auswahl je nach Setting)
  • nach positivem Screening -> Ernährungs-Assessment

Umsetzung des Screenings

  • Screening bei allen Patient:innen (unabhängig von Gewicht, BMI)
  • innerhalb der ersten 24 – 48 Stunden nach Aufnahme
  • durchgeführt von geschulten Personen
  • Wiederholung in regelmäßigen Abständen (wöchentlich im Krankenhaus, monatlich in der Langzeitpflege)
  • besonders relevant: aktuelle Nahrungsaufnahme
  • bei positivem Screening ->  Zuweisung zum Assessment /Diätologie

Screeninginhalte

Wie ist der momentane Ernährungszustand?

Erfassung des altersbezogen BMI (Cut-Off bei unter 65 Jahren BMI < 18,5 kg/m2;
Cut-Off ab 65 Jahren BMI < 20 kg/m2) Person muss gewogen werden, keine Schätzung des Gewichts. ‍

Ist der Ernährungszustand stabil?

Erfassung von unbeabsichtigtem Gewichtsverlust > 5 % in den letzten 3 oder > 10 % in den letzten 6 Monaten (ab einem Gewichtsverlust von ca. 3 kg sollte man generell aufmerksam sein)

Veränderungen bei der Nahrungsaufnahme vor der stationären Aufnahme?

Erfassung der aktuellen Nahrungsaufnahme bzw. Probleme in Bezug auf die Nahrungszufuhr (z. B. Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe)‍

Wird der Krankheitsprozess den Ernährungszustand verschlechtern?

Erfassung ernährungsrelevanter Erkrankungen, z. B. inflammatorische Erkrankungen, maligne Tumorerkrankungen, große Wunden, verminderte Mobilität, Behinderung, Verwirrung und Delir, Polypharmazie (hauptsächlich für das Setting Krankenhaus relevant)

Screeninginstrumente

Krankenhaus:

  • NRS 2002 (Nutritional Risk Screening 2002)
  • MUST (Malnutrition Universal Screening Tool)
  • GMS (Graz Malnutrition Screening)
  • SNAQ (Short Nutritional Assessment Questionnaire)
  • MST (Malnutrition Screening Tool)

Kritisch Kranke: NRS 2002 od. NUTRIC-Score + Assessment

Häuslicher Bereich:

  • MUST (Malnutrition Universal Screening Tool)
  • SCREEN-II (Risk Evaluation for Eating and Nutrition Questionnaire)

Geriatrie:

  • MNA-SF (Mini Nutritional Assessment – Short Form)
  • SNAQ-RC (Short Nutritional Assessment Questionnaire – Residential Care)

Assessment

Ernährungsassessment umfasst neben einer strukturierten Anamnese die Bewertung des Ernährungszustands. Dafür wird bei einer klinischen Untersuchung besonders auf Veränderungen unterschiedlicher Muskelgruppen eingegangen. Als Referenzmethode wurde seit vielen Jahren der SGA („subjective global assessment“)  verwendet.

Die Bewertung des Ernährungszustands wird international der GLIM Score („global leadership initiative of malnutrition“) verwendet. Die generelle Idee ist, dass krankheitsbezogene Mangelernährung vorliegt , wenn ein phänotypisches und ein ätiologisches Kriterium erfüllt ist. Dieses System wird alle 5 Jahre einem Update unterzogen.

Cederholm et al. 2017. ESPEN guidelines on definitions and terminology of clinical nutrition. Clinical Nutrition, 36(1): 49-64. (https://doi.org/10.1016/j.clnu.2016.09.004)

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