Kapitelübersicht

Inhalt

5.2.2

Schwere sekundäre Glukoseverwertungsstörung *IP* – fertig

Factbox

  • Auftreten von Insulinresistenz und ausgeprägter Hyperglykämien im Stressstoffwechsel
  • Bei Menschen mit Diabetes Mellitus im Krankenhaussetting inkl. Kritisch Kranken: Blutzuckerziel zwischen 140 und 180 mg/dl.
  • Bei anhaltender Hyperglykämie > 180 mg/dl ist eine Insulintherapie indiziert.
  • In der frühen Erkrankungsphase oder unmittelbar postoperativ, bei ausgeprägtem Stressstoffwechsel und unter künstlicher Ernährung, sowie bei intensiver Insulintherapie ist eine engmaschigere Kontrolle der Blutglukose erforderlich (bedarfsadaptiert mehrfach täglich)

Prävention einer postoperativen Insulinresistenz bei Menschen ohne Diabetes:

Präoperative Glukosezufuhr „carbohydrate loading“ in Form eines fettfreien Kohlenhydrat-Proteindrinks möglich: ca. 100 g Kohlenhydrate am Vorabend der OP und ca. 50 g am OP-Tag.

Umsetzung der Ernährungstherapie

 

Individuelle Steuerung der Substratzufuhr anhand des Ausmaßes der Insulinresistenz

  • Bei einer persistierenden Blutzuckerkonzentration > 180 mg/dl trotz einer Insulinzufuhr von 4 IE/h stufenweise Reduktion der Kalorienzufuhr
  • Bei sinkendem Insulinbedarf, langsame Steigerung der Kalorienzufuhr

 

Auswahl der klinischen Ernährung

  • Die Zufuhr von Kohlenhydraten (EN) oder Glucose (PN) sollte 4g/kg KG nicht überschreiten.
  • Zuckeraustauschstoffe sollten nicht Teil der klinischen Ernährung sein.

 

Umsetzung Enterale Ernährung

  • Spezielle enterale Nährlösungen scheinen keinen positiven Effekt auf die Blutzuckereinstellung zu haben. (Michael Hiesmayr fragen?)
  • Standardnahrung mit Ballaststoffen soll bevorzugt werden.

Umsetzung Parenterale Ernährung

  • Verwendung von Standardnährlösungen

 

Stufenweise Reduktion bei Hyperglykämie mit hohem Insulinbedarf

  • Die Glukosezufuhr wird an den maximalen Insulinbedarf angepasst:
  • Bei maximalen Insulinbedarf 0-1 IE/h progressive Erhöhung der Glukosezufuhr bis zum maximalen Ziel von 24 kcal/kg/Tag
  • Geringe Anpassung der Glukosezufuhr bei Insulinbedarf von 2-4 IE/h bis zum maximalen Ziel von 12 kcal/kg/Tag
  • >4 IE/h Reduktion auf 50% der Zufuhr des Vortages (max. 6 kcal/kg/Tag)
    Siehe DGEM-Leitlinie: Klinische Ernährung in der Intensivmedizin – Kurzversion (Schema Seite 65)

Besonderheiten

Wichtigste Prädiktoren einer Glukoseverwertungsstörung:

  • vorbestehende Insulinresistenz oder ein bekannter Diabetes mellitus
  • Schwere der Grunderkrankung
  • begleitende Steroidtherapie
  • Menge der zugeführten Glucose in Form von Infusionen

Bei einer metabolischen Intoleranz (Blutzucker > 180 mg/dl trotz einer Insulinzufuhr von 4 IE/h und einer Plasmaphosphatkonzentration < 0,65 mmol/l) ebenfalls Reduktion der Kalorienzufuhr (siehe Refeeding-Syndrom Artikel 5.2.1)

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