Kapitelübersicht

Inhalt

5.1.1

Ernährung bei Übelkeit / Erbrechen / Inappetenz *IP* – fertig

Factbox

  • Kausale Therapie nach den auslösenden Faktoren
  • Symptomatische Therapie: Ernährung und antiemetische Medikamente
  • Erhöhtes Risiko einer Mangelernährung
    -> siehe Ernährungsscreening Artikel 1.3.2

Vielfältige Ursachen

  • postoperativ
  • Schmerzen
  • gastrointestinale Dysfunktion und Motilitätsstörungen
  • hepatologische Erkrankungen
  • ZNS Erkrankungen
  • metabolische Störungen
  • tumorbedingte Auslöser
  • Infektionen
  • Arzneimittel wie Opioide und
  • Antiphlogistika
  • Chemotherapeutika
  • psychische Ursachen

Umsetzung der Therapie

 

Übelkeit/Erbrechen

Oral:

  • Bevorzugen von leicht verdaulichen Speisen
  • Meiden von sehr fettreichen, ballaststoffreichen und blähenden Lebensmittel
  • Kalte Speisen sind im Allgemeinen geruchsärmer und deshalb besser geeignet
  • Einsatz von trockenen Lebensmitteln wie Zwieback, Semmeln, Reiswaffeln, Salzstangen, Keksen oder Nüssen
  • Konsum von festen und flüssigen Speisen getrennt voneinander, keine Getränke zum Essen
  • Lutschen von Eiswürfeln, Mentholtabletten oder sauren/scharfen Bonbons
  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt
  • Meiden von intensiven Gerüchen

 

Enterale Ernährung:

  • Flussrate reduzieren
  • Bolusgröße reduzieren
  • bei akutem Erbrechen pausieren
  • bei Gastroparese jejunale
  • Sondenpositionierung überlegen

CAVE: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (ggf. i.v. Flüssigkeitsausgleich)

Antiemetische Stufentherapie

  • „Präventive Therapie“ bei vorhersehbarem Erbrechen (z. B. Chemotherapie)
  • „Vorgeschriebene Therapie“ – Dosis und Intervall entsprechend Wirkeintritt und Wirkdauer der gewählten Substanz – bei fortbestehender emetogener Erkrankung
  • „Bedarfstherapie“ bei intermittierend und nicht vorhersehbar auftretender Übelkeit oder Erbrechen

Medikamentös (individualisiert)

  • Wirksamkeit hoch: Metoclopramid (CAVE: Nebenwirkungen und Dosisanpassungen beachten), Ondansetron (CAVE: QT-Verlängerung), Aprepitant
  • Additiv Wirksamkeit mittel: Kortikosteroide, Neuroleptika (z. B. DHB, Haldol)
  • Individualisierte Therapie entsprechend der Grundkrankheit

Bei starkem Erbrechen (z.B. bei Ileus): nasogastrale Sonde oder Heberdrainage

Therapie von Motilitätsstörungen

siehe Artikel 1.2.2 Enterale Ernährung

Inappetenz

 

Oral:‍

  • Individuelle Kostanpassung
  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt
  • Anreicherung von Speisen mit Eiweiß und Kalorien
  • Einsatz von Trinknahrungen
  • Folgenden Teesorten wird eine appetitanregende Wirkung zugeschrieben: Kalmus, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Wermut, Löwenzahn, Ingwer
  • Einsatz von Bitterstoffen z. B. Bitter Lemon, Tonic Water

Arends J et al. 2015. Klinische Ernährung in der Onkologie. S3-Leitline der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM). (http://dx.doi.org/10.1055/s-0035-1552741)

Arends J, Bodoky G, Bozzetti F et al. 2006. ESPEN Guidelines on Enteral Nutrition: Non-surgical oncology. Clin Nutr. 25: 245–259. (https://doi.org/10.1016/j.clnu.2006.01.020)

Biesalski HK, Bischoff SC, Puchstein E. 2001. Ernährungsmedizin. 4. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.

Bozzetti F, Arends J, Lundholm K et al. 2009. ESPEN Guidelines on Parenteral Nutrition: non-surgical oncology. Clin. Nutr. 28: 445–454. (https://doi.org/10.1016/j.clnu.2009.04.011)

Micksche M et al. 2020. Ernährung bei Krebs. Wien: Österreichische Krebshilfe.

Verband der Diaetologen Österreichs. 2006. Diagnose Krebs – Das große Ernährungsbuch. 1. Auflage. Wien: Krenn Verlag

Erstellt am