Kapitelübersicht

Inhalt

3.1.2

Schädel-Hirn-Trauma

Factbox

  • Gesteigerter Metabolismus durch erhöhtren Sympathikotonus
  • Verminderung des Metabolismus durch Sedierung und Kühlung
  • Häufig protrahierter Katabolismus
  • Messung von Energiebedarf und Katabolismus ist empfehlenswert
  • Frühe progressive enterale Ernährung
  • Gastroparese tritt bei 45-50% der SHT-Patient:innen auf
  • Vermeidung von Hyper- und Hypoglykämie ist wichtig für die Prognose
  • Keine spezifischen Nährstoffe oder Supplemente

Allgemeines

Bei einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) handelt es sich um eine offene oder geschlossene Verletzung des Schädels unter Beteiligung des Gehirns. Schädel-Hirn-Trauma haben die höchste Inzidenz aller neurologischen Erkrankungen und stellen eine erhebliche Belastung für die öffentliche Gesundheit dar.

Nährstoffbedarf

Orientiert sich am Nährstoffbedarf und Proteinbedarf von ICU Patient:innen.

Energiebedarf: 20-30 kcal/kg Körpergewicht /Tag mit Anpassung an die Körperzusammensetzung.

Hypermetabolismus und gesteigerter Katabolismus nach Schädel-Hirn-Trauma führen zu Hyperglykämie, Proteinkatabolismus und einem schwer abschätzbaren Energiebedarf, der bis zu 200% des normalen Energiebedarfs betragen kann. Eine besondere Aufmerksamkeit verlangt die schwierige Abschätzung des Nährstoffbedarfs, weil die Therapie durch Sedierung und Relaxation und der Auswirkung des SHT durch erhöhten Sympathikotonus oder gesteigerte Hirnaktivität zb. bei Krampfanfällen schwer abgeschätzt werden kann. Sofern möglich, sollte der Energiebedarf mittels indirekter Kalorimetrie berechnet werden.

Protein-Bedarf: 1.2–2.0 g/kg KG/Tag.

Eine regelmäßige Abschätzung des Proteinkatabolismus ist nützlich, weil sich bei SHT Patient:innen Mangelernährung wegen des erhöhten Sympathikotonus, der Nebenwirkung der Sedierung und des protrahierten Verlaufs häufig entwickelt.

 

Umsetzung der Ernährungstherapie

 
  • Der aktivierte Katabolismus führt zu einem Verlust an Körpermasse, insbesondere an Skelettmuskulatur. Daher ist eine rechtzeitige und effektive Ernährungstherapie in der Behandlung von SHT besonders wichtig, um die Prognosen der Patient:innen zu verbessern.
  • Frühe (innerhalb von 24-48 Stunden) progressive enterale  Ernährung wird gegenüber verzögerter enteraler Ernährung bevorzugt.
  • Eine übermäßige Hyperglykämie (mehr als 11 mmol/l = 200 mg/dL) ist zu vermeiden und eine moderate Glukosekontrolle (8-11 mmol/l = 140-200 mg/dL) ohne viele Ausschläge nach oben und unten aufrechtzuerhalten. Hypoglykämie ist unbedingt zu vermeiden.

Besonderheiten

Gastroparese

Die Gastroparese oder die verzögerte Magenentleerung ist einer der Hauptfaktoren, die zu gastro-intestinaler Intoleranz führen, die bei 45% bis 50% der SHT-Patient:innen auftritt. Die gastrointestinalen Hypokinesien halten in der Regel in den ersten 1-2 Wochen nach SHT an. Dabei helfen folgende Faktoren:

    1. Positionieren der Patient:innen in einer 45°-Kopf-hoch-Lage soll Aspirationspneumonie verhindern und den gastroösophagealen oder laryngopharyngealen Reflux von Mageninhalten minimieren.
    2. konzentrierte enterale Nährlösungen (≥ 1,5 kcal/ml) können das Risiko von Reflux oder Unverträglichkeit reduzieren, während sie den Kalorienbedarf in geringerem Volumen decken. 
    3. Bei EE wird eine kontinuierliche Infusion bevorzugt.
    4. Da das enterische Nervensystem und die glatte Darmmuskulatur intakt sind, sollten motilitätsfördernde Mittel nützlich sein.
    5. Die postpylorische Ernährung sollte bei kritisch kranken Patient:innen in Betracht gezogen werden, bei denen die Intoleranz der Ernährung über den Magen nicht mit prokinetischen Mitteln behoben werden kann oder bei Patient:innen, bei denen das Aspirationsrisiko hoch ist.

AUTOR:INNEN

Schlaffer Romana
Fasching Peter
Hiesmayr Michael Ü

Lee HY, Oh BM. Nutrition Management in Patients With Traumatic Brain Injury: A Narrative Review. Brain Neurorehabil. 2022 Mar;15(1):e4. https://doi.org/10.12786/bn.2022.15.e4

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