Kapitelübersicht

Inhalt

3.1.1

Stroke

Factbox

  • In Österreich erleiden etwa 20.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall.
  • Fast alle modifizierbaren Risikofaktoren können direkt oder indirekt positiv durch einen gesunden Lebensstil beeinflusst werden.
  • Hyperglykämie und Hypoglykämie sollten vermieden werden.
  • Schluckstörungen sind eine häufige Ausprägung des Schlaganfalls. Auch Bewusstseinsstörungen, Wahrnehmungsdefizite und kognitive Einschränkungen führen dazu, dass die Prävalenz von Mangelernährung nach Schlaganfall hoch ist.
  • Ein standardisiertes Dysphagiescreening sollte bei allen Schlaganfallpatienten durchgeführt werden.
  • Schlucktraining kann über mehrere Monate notwendig sein.
  • Mangelernährungsscreening ist für alle Schlaganfall-Patient:innen bei Aufnahme ins Krankenhaus und im weiteren Verlauf erforderlich.

Allgemeines

 

Bei einem Schlaganfall kommt es zu einer plötzlichen Unterbrechung der Blutversorgung im Gehirn. Diese Unterbrechung kann auf zwei Arten auftreten:

Ischämischer Schlaganfall: Dies ist die häufigere Form des Schlaganfalls und tritt auf, wenn ein Blutgerinnsel oder eine Verengung eines Blutgefäßes die Durchblutung des Gehirns behindert. Dies führt dazu, dass Teile des Gehirns nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, was zu Schäden an den betroffenen Geweben führt.

Hämorrhagischer Schlaganfall: Diese Form des Schlaganfalls tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut in das umliegende Gewebe austritt. Dies kann zu einer Schädigung des Gehirns führen, sowohl durch den Druck des auslaufenden Blutes als auch durch die Unterbrechung der Blutversorgung.

Eine Post Stroke Hyperglykämie ist häufig mit dem Ausmaß des Schweregrades korreliert. Eine ausgeprägte Hyperglykämie in der Akutphase kann das Ausmaß der Schädigung ungünstig beeinflussen. 

Nährstoffbedarf


Kalorienziel

20-30 kcal/kg KG (siehe auch Artikel 1.3.1)

Eiweißziel
Bis 1,5 g/kg KG (siehe auch Artikel Dysphagie)

Sonstiges
Individuelle Berücksichtigung von Komorbiditäten

Umsetzung der Ernährungstherapie

In der Akutphase des Schlaganfalls leiden 30–50 % der Patienten an einer Schluckstörung, während deren Inzidenz in der chronischen Phase 6 Monate nach Insult auf ca. 10 % sinkt. Betroffene Patient:innen sind nicht nur anfällig für Dehydratation und Mangelernährung, sondern es besteht auch ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Aspirationspneumonie. Aus prognostischen Gründen kommt der frühzeitigen Detektion der schlaganfallbedingten Dysphagie eine erhebliche klinische Bedeutung zu.

Ein standardisiertes Dysphagiescreening sollte bei allen Schlaganfallpatienten so früh wie möglich und vor der oralen Nahrungsaufnahme durchgeführt werden. (siehe Kapitel Dysphagie)

Bei allen Patient:innen mit einem pathologischen Screeningbefund sollte ein weiterführendes Assessment der Schluckfunktion durchgeführt werden (z.B. Clinical Bedside Assessment (CBA) oder apparatives Dysphagieassessment mittels Endoskopie). Dieses Assessment soll in der ersten Phase nach Schlaganfall wiederholt werden.

Falls eine ausreichende orale Nahrungsaufnahme in der Akutphase des Schlaganfalls nicht möglich ist, soll die enterale Ernährung (EE) vorzugsweise über eine nasogastrale Sonde verabreicht werden. Ist enterale Ernährung voraussichtlich über einen längeren Zeitraum erforderlich (> 28 Tage), soll eine PEG-Sonde in einer klinisch stabilen Phase gelegt werden (nach 14–28 Tagen).

Bei folgenden Punkten ist der Einsatz von Trinknahrung bei Schlaganfallpatienten hilfreich:

  • Risiko einer Mangelernährung,
  • manifeste Mangelernährung,
  • Dekubitusrisiko

Schlaganfallpatienten können von Sondenernährung besonders profitieren, wenn es sich um Patienten handelt, die bereits zum Zeitpunkt des Schlaganfalls mangelernährt sind oder um Patienten, bei denen es voraussichtlich zu Mangelernährung kommt.

Besonderheiten

Akutphase

Hyperglykämie

Hyperglykämie ist mit dem Schweregrad des Insultes und mit einer schlechteren Prognose  assoziiert. Hyperglykämie sollte in der post-akuten Phase möglichst vermieden werden.  

Dysphagie

Die Ernährungstherapie bei Dysphagie erfordert in Abhängigkeit von der spezifischen Diagnostik eine Anpassung der Konsistenz von Nahrung und Getränken. (siehe Kapitel Dysphagie)

Flüssigkeitshaushalt

Bei jeder Schlaganfallpatientin und jedem Schlaganfallpatienten, die bzw. der texturmodifizierte Diäten oder verdickte Flüssigkeiten erhält, sollten sowohl der Flüssigkeitshaushalt als auch die Nahrungsaufnahme von geschultem Fachpersonal überwacht werden.

Post-akute Phase

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Pflegefachpersonal, den Ärzt:innen, Logopäd:innen/Schlucktherapeut:innen und Angehörigen ist unumgänglich.

Regelmäßige Reevaluierung der Schluckstörung. Das Wiedererlernen des Essens ist wesentlicher Bestandteil der Therapie.

AUTOR:INNEN

Romana Schlaffer
Peter Fasching
Hiesmayr Michael

Chhabra JS, Juneja A, Etkin Y, Landis G, Gardener H, Garuthara M, Hoffstaetter T, Oropallo A. The effect of nutrition on stroke risk: A systematic review. Nutr Health. 2023 Jun;29(2):255-267. doi: 10.1177/02601060221122218. Epub 2022 Aug 30. PMID: 36040714.

Alexander H. Nave, Matthias Endres. Schlaganfallprävention durch Lifestyle-Modifikation. Dtsch Med Wochenschr 2021; 146(12): 787-792 – DOI10.1055/a-1221-6985

Rosa Burgos et al. ESPEN guideline clinical nutrition in neurology. Clinical Nutrition 37 (2018) 354e396. ESPEN guideline clinical nutrition in neurology (clinicalnutritionjournal.com)

GBD 2019 Stroke Collaborators. Global, regional, and national burden of stroke and its risk factors, 1990-2019: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2019. Lancet Neurol. 2021 Oct;20(10):795-820. doi: 10.1016/S1474-4422(21)00252-0. Epub 2021 Sep 3. PMID: 34487721; PMCID: PMC8443449.

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