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Kapitelübersicht
Inhalt
2.1.1
Ernährung vor einer elektiven Operation *IP* -fertig
Factbox
- Screening auf Mangelernährung
- Präoperative Ernährungstherapie bei Mangelernährung
- Immunonutrition optional (derzeit nicht am Markt)
- Nüchternheitsphasen minimieren
- Präoperatives Carboloading
Screening auf Mangelernährung
Patient:innen vor chirurgischen Eingriffen verlieren häufig Körpergewicht durch die Erkrankung selbst, wenn sie mit Entzündung und verändertem Appetit einhergeht, oder durch wiederholte Untersuchungen, die Nüchternheit erfordern. 30-50% der chirurgischen Patient:innen geben im Krankenhaus Gewichtsverlust innerhalb der letzten 3 Monate an (Zitat).
- Ernährungsscreening ermittelt aus aktuellem BMI, Ernährungsverhalten und Appetitveränderung das Ernährungsrisiko.
- Bei positivem Screening ermittelt das Ernährungsassessment das Ausmaß der mangelernährung.
- Laborwerte sind üblicherweise nicht Teil des Screenings allerdings sollte Albumin unter 30 g/L oder Anämie als zusätzlicher Indikator berücksichtigt werden, sofern keine gleichzeitige Inflammation besteht.
Präoperative Ernährungstherapie
Bei Patient:innen mit Mangelernährung wird eine Verbesserung des Ernährungszustands während der Wartezeit auf die Operation angestrebt. Eine Ernährungstherapie für 7-14 Tage wird als angemessen angesehen vor großen Operationen (Espen Richtlinie zur Perioperativen Ernährung).
Die Effizienz der präoperativen Ernährungstherapie wird durch körperliche Aktivität und Muskeltraining im Sinne der Prähabilitation klar verbessert.
Akute vital indizierte Operationen sollten nicht durch ernährungstherapeutische Massnahmen nicht verzögert werden.
Umsetzung der präoperativen Ernährungstherapie
Der Nährstoffbedarf orientiert sich an den allgemeinen Empfehlungen.
Vorzugsweise vor dem Krankenhausaufenthalt
- Primär orale Ernährung mit Energie- und Eiweißanreicherung der Speisen
- Falls 50% des Nährstoffziels nicht erreicht werden, sollte enterale oder parenterale Ernährung zur Anwendung kommen.
- Orale Nahrungssupplemente (ONS) werden vor grossen abdominellen Operationen und bei Mangelernährung für 5-7 Tage empfohlen
- Parenterale Ernährung bei schwerem metabolischem Risiko, wenn enteral nicht ernährt werden kann (vor großen gastrointestinalen Eingriffen, 7 – 14 Tage), Verwendung von Standardnährlösungen
Immunonutrition
- optional vor abdominellen Eingriffen für 5 – 7 Tage vor OP
- Es besteht derzeit keine klare Indikation für die Gabe von Omega-3-Fettsäuren und Glutamin parenteral oder eneteral
Umsetzung präoperative Nüchternheit
- Flüssigkeitszufuhr: bis 2 h vor OP (200 ml klare Flüssigkeiten) – CAVE: Motilitätsstörungen; nicht bei Notfalloperationen
- Nahrungszufuhr: bis 6 h vor OP oder Untersuchung
Umsetzung Carboloading
- Präoperative Glukosezufuhr „carbohydrate loading“ in Form eines fettfreien Kohlenhydratdrinks mit oder ohne Protein: ca. 100 g Kohlenhydrate am Vorabend der OP und ca. 50 g am OP-Tag bis 2 h vor OP
- CAVE: bei stabilem Diabetes mellitus möglich und antidiabetische Therapie beachten
Präoperative antidiabetische Therapieanpassung
Die antidiabetische Therapie sollte bezogen auf die Medikamentenklassen und erwünschte glykämische Kontrolle angepasst.
Präoperativ wird die Pausierung von Metformin und SGLT2 Inhibitoren perioperativ empfohlen. Incretinpräparate wit GLT1-Rezeptor Agonisten verlangsamen die Magenentleerung und können gastro-intestinale Funktionsstörungen begünstigen. Ein Absetzen wird individuell entschieden. Bei Sulfonylharnstofftherapie ist das inhärente Hypoglykämierisiko zu beachten. Eine laufende Insulintherapie ist anzupassen aber nicht abzusetzen. Allerdings ist eine engmaschige Blutzuckerkontrolle notwendig.
Bei Hypoglykämie ist eine parenterale Glucosezufuhr von etwa 10g üblicherweise genügend, um den Blutzucker kurzfristig zu normalisieren. Bei Hyperglykämie > 200 mg/dL ist eine Verabreichung von geringen Mengen kurzwirksamen Insulins sc oder iv angezeigt.
Elemente des Enhanced Recovery after Surgery (ERAS) Konzepts:
- Verzicht auf Darmentleerung
- Vermeidung längeren präoperativen Fastens
- Präoperative Glukosezufuhr „carbohydrate loading“ in Form eines fettfreien Kohlenhydratgetränks (mit komplexen Kohlenhydraten, z.B. Maltodextrin) mit oder ohne Protein: ca. 100 g Kohlenhydrate am Vorabend der OP und ca. 50 g am OP-Tag bis 2 h vor OP
- Verzicht auf Magensonde oder nur kurze Liegedauer anstreben
- Vermeidung einer perioperativen Hypervolämie
- Normothermie
- Adäquate Schmerztherapie (Epiduralanästhesie/ Nicht-Opioid-Schmerztherapie)
- Frühzeitige Umstellung auf orale Ernährung
- Frühmobilisation
- Wenn dies nicht absehbar/möglich frühzeitiger postoperativer Ernährungsbeginn vorzugsweise enteral (bei Bedarf auch parenteral)
Präoperative antidiabetische Therapieanpassung
Die antidiabetische Therapie sollte bezogen auf die Medikamentenklassen und erwünschte glykämische Kontrolle angepasst.
Präoperativ wird die Pausierung von Metformin und SGLT2 Inhibitoren perioperativ empfohlen. Incretinpräparate wit GLT1-Rezeptor Agonisten verlangsamen die Magenentleerung und können gastro-intestinale Funktionsstörungen begünstigen. Ein Absetzen wird individuell entschieden. Bei Sulfonylharnstofftherapie ist das inhärente Hypoglykämierisiko zu beachten. Eine laufende Insulintherapie ist anzupassen aber nicht abzusetzen. Allerdings ist eine engmaschige Blutzuckerkontrolle notwendig.
Bei Hypoglykämie ist eine parenterale Glucosezufuhr von etwa 10g üblicherweise genügend, um den Blutzucker kurzfristig zu normalisieren. Bei Hyperglykämie > 200 mg/dL ist eine Verabreichung von geringen Mengen kurzwirksamen Insulins sc oder iv angezeigt.
Elemente des Enhanced Recovery after Surgery (ERAS) Konzepts:
- Verzicht auf Darmentleerung
- Vermeidung längeren präoperativen Fastens
- Präoperative Glukosezufuhr „carbohydrate loading“ in Form eines fettfreien Kohlenhydratgetränks (mit komplexen Kohlenhydraten, z.B. Maltodextrin) mit oder ohne Protein: ca. 100 g Kohlenhydrate am Vorabend der OP und ca. 50 g am OP-Tag bis 2 h vor OP
- Verzicht auf Magensonde oder nur kurze Liegedauer anstreben
- Vermeidung einer perioperativen Hypervolämie
- Normothermie
- Adäquate Schmerztherapie (Epiduralanästhesie/ Nicht-Opioid-Schmerztherapie)
- Frühzeitige Umstellung auf orale Ernährung
- Frühmobilisation
- Wenn dies nicht absehbar/möglich frühzeitiger postoperativer Ernährungsbeginn vorzugsweise enteral (bei Bedarf auch parenteral)
Besonderheiten
- Krankheitsassoziierte Mangelernährung hat einen nachgewiesenen Einfluss auf die postoperative Morbidität und Letalität
- Betroffene mit metabolischem Risiko bedürfen besonderer ernährungsmedizinischer Aufmerksamkeit
- Präoperative enterale Ernährung mit „Immunonutrition“ kann das Auftreten von perioperativen Komplikationen vermindern
- Carboloading kann die operationsassoziierte Insulinresistenz vermindern, infektiöse Komplikationen vermeiden und die postoperative Erholung beschleunigen
- Zusätzliche Bewegungstherapie kann den Effekt einer Ernährung verbessern
AUTOR:INNEN
Eisenberger Anna Maria
Traub Julia
Prisching Anna
Gabor Sabine
Längle Friedrich
Redaktionelle Bearbeitung: Fasching Pater & Hiesmayr Michael
- Literatur
Adiamah A, Skorepa P, Weimann A, Lobo DN. 2019. The Impact of Preoperative Immune Modulating Nutrition on Outcomes in Patients Undergoing Surgery for Gastrointestinal Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis. Ann Surg. 270(2): 247-256. (https://doi.org/10.1097/sla.0000000000003256)
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Scott MJ et al 2015. Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) for gastrointestinal surgery, part 1: pathophysiological considerations. Act Anaesth Scand Volume 59, 10: 1209-1405 (https://doi.org/10.1111/aas.12601)
Weimann A et al. 2017. ESPEN guideline: Clinical nutrition in surgery. Clinical Nutrition. 36: 623-650. (https://doi.org/10.1016/j.clnu.2017.02.013)
Weimann A et al. 2013. S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE, der DGCHa, der DGAIb und der DGAVc. Klinische Ernährung in der Chirurgie. AktuelErnahrungsmed. 38: e155–e197. (http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1359887)
Yu K et al. 2019. Immunonutrition vs Standard Nutrition for Cancer Patients: A Systematic Review and Meta-analysis. Journal of Parenteral Enteral Nutrition. 44(5): 742-767. (https://doi.org/10.1002/jpen.1736)
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