Kapitelübersicht

Inhalt

5.1.4

Akute und chronische Obstipation *AP*

Factbox

  • Obstipation ist als Symptom zu sehen – eine effektive Therapie basiert auf dem jeweiligen Auslöser
  • Obstipation wird gefördert durch Immobilität, ballaststoffarme Ernährung und inadäquate Flüssigkeitszufuhr
  • Obstipationsfördernde Medikamente beachten

Definition

Die mittlere Prävalenz von Obstipation beträgt in Europa 15%.

  • Akute Obstipation: < 3 Stuhlentleerungen/Woche
  • Chronische Obstipation: Symptome wie oben über mind. 3 Monate

Obstipationsfördernde Medikamente

  • Opoide
  • Anticholinergika
  • Trizyklische Antidepressiva
  • Neuroleptika
  • Monoaminooxidase-Hemmer
  • Antiepileptika
  • Antihistaminika
  • Kalziumhaltige Antazida
  • Antihypertensiva
  • Spasmolytika
  • Sympathomimetika
  • Diuretika
  • Colestyramin

Prophylaxe und Therapie der Obstipation


Normalstation:


Oral:

Stufe 1: ‍Allgemeine Maßnahmen

  • Gesunde Mischkost mit regelmäßigen Mahlzeiten
  • Nach Stenosenausschluss: ausreichende Ballaststoff- und Flüssigkeitszufuhr
  • Einsatz von löslichen Ballaststoffen, Sauermilchprodukten, magnesiumreichen Mineralwasser und Darmperistaltik fördernden Zusätzen (z.B. Flohsamenschalen)
    Ballaststoffempfehlung: Dauerernährung mind. 30 g/Tag bzw. 16 g/1000kcal (Frauen) und 12,5 g/1000kcal (Männer)
  • Vermeidung von Lebensmitteln und Medikamenten mit obstipierender Wirkung, einer Unterdrückung des Stuhldranges und körperlicher Inaktivität‍

    Enteral:
  • Einsatz von ballaststoffhaltigen Sondennahrungen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Obstipationsprophylaxe mit osmotischen Laxantien
  • Ballaststoffempfehlung im Intensivbereich: 10 – 20 g fermentierbare (lösliche) Ballaststoffe/Tag

 

Medikamentös:

Stufe 2: Macrogol, Magnesiumpräparate

‍Stufe 3: Natriumpicosulfat, Colonorm Dragees, Bisacodyl (ergänzend zu Maßnahmen der Stufe 2 als Bedarfstherapie, Wirkzeit bei per os Gabe = ca. 24 h, bei Rektalgabe ca. 2 h)

 

ICU-Bereich:

Stufe 1: Reduktion von Motilitätshemmern, Normovolämie
Stufe 2: Macrogol, Bisacodyl, Einläufe
Stufe 3: Normastigmin, Opiatantagonisten (Relistor)

Besonderheiten

Obstipation – ein Symptom einer Vielzahl von Erkrankungen

  • Mögliche Begleiterscheinungen: harter Stuhlgang, Schwierigkeiten bei Stuhlentleerung, Bauchschmerzen, Blähungen

D-A-C-H Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr [Internet]; 2020 [zitiert 02.06.2020]. Download von: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte

Kasper H., 2014, Ernährungsmedizin und Diätetik, 12. Auflage, Seite 180-183, 199-201 Urban & Fischer

Aktualisierte S2k-Leitlinie chronische Obstipation der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie & Motilität (DGNM), 2022, https://register.awmf.org/assets/guidelines/021-019l_S2k_Chronische_Obstipation_2022-04_01.pdf

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