Kapitelübersicht

Inhalt

3.6.1

Akute Pankreatitis

Factbox

  • Bei inadäquater oraler Nahrungszufuhr primär enterale Ernährung (EE) oder orale Nahrungssupplemente (ONS)
  • Bei milder Pankreatitis: Fortführung der oralen Nahrungszufuhr (max. 24 Std. Nahrungskarenz)
  • Bei schwerer Pankreatitis: wenn klinisch möglich, oraler Kostaufbau
  • Keine Indikation für den Einsatz von Prä- und Probiotika

Nährstoffbedarf


Kalorienziel

25-30 kcal/kg KG (Artikel 1.3.1)

Eiweißziel
1,2-1,5 g/kg KG (siehe auch Artikel 1.3.1)

Sonstiges
Glutamin i.v.: 0,2 g/kg KG nur bei parenteraler Ernährung

Umsetzung der Ernährungstherapie

 

Milde Pankreatitis

  • Generell keine Indikation für eine spezielle Ernährungstherapie
  • Rasche Fortführung der oralen Nahrungszufuhr (max. 24 Std. Nahrungskarenz, bis Besserung von Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen), bei Bedarf Adaptierung der Speisen (fettarm, weiche Konsistenz und leicht verdaulich)
  • Frühe enterale Ernährung (innerhalb von 24-72 Stunden), wenn orale Ernährung nicht oder nur unzureichend möglich ist
    • Verwendung von Standardnahrung
    • Bei Malabsorption: Verwendung von chemisch definierter Nahrung
  • Keine Indikation für eine parenterale Ernährung, außer bei schwerer Mangelernährung (z.B. im Rahmen einer chronischen Pankreatitis), wenn eine enterale Ernährung nicht möglich oder kontraindiziert ist

 

Moderate bis schwere Pankreatitis

  • Frühe enterale Ernährung (innerhalb von 24-72 Stunden), wenn orale Ernährung nicht oder nur unzureichend möglich ist
    • Verwendung von Standardnahrung
    • Nur bei Malabsorption: Verwendung von chemisch definierter Nahrung
  • primär intragastrale enterale Ernährung
    • bei gastraler Intoleranz enterale Ernährung über Jejunalsonde
  • Additive oder totale parenterale Ernährung, nur wenn eine orale und/oder enterale nicht oder nur inadäquat möglich ist, Verwendung von Standardnährlösung
  • Bei einem intraabdominellen Druck < 20 mmHg oder einem offenen Abdomen soll eine minimale enterale Ernährung durchgeführt werden
  • Parenterale Supplementierung mit Glutamin (0,2g/kg KG), nur bei ausschließlich parenteraler Ernährung

Besonderheiten

  • Exokrine Funktion ist vor allem bei schwerer und alkohol-induzierter Pankreatitis gestört
  • Bei exokriner Pankreasinsuffizienz Einsatz von Pankreas Enzymen
  • Bei bestehender Malabsorption trotz Einnahme von Pankreas-Enzymen können enterale Nährlösungen mit mittelkettigen Triglyceride (MCT) angewandt werden. MCT werden ohne die Wirkung von Lipase und die Vermittlung von Gallensäuren im Dünndarm resorbiert.
  • Keine Kontraindikation für eine fetthaltige parenterale Ernährung.
  • Monitoring der Triglyceride erforderlich.
  • Pausierung der Lipidinfusionen bei einem Plasmatriglyceridspiegel über 1000 mg/dL.
  • Eine frühe enterale Ernährung hat positive Effekte auf Funktion und Struktur der Darmmukosa und ist der parenteralen Ernährung vorzuziehen.
  • Keine Indikation für den Einsatz von Prä- und Probiotika

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