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Kapitelübersicht
Inhalt
3.4.4
Untere Gastrointestinale Paralyse *IP*
Factbox
- Bei der unteren Gastrointestinalen (GI) Paralyse betroffene Areale sind der distale Dünndarm und das Colon
- Keine Stuhlentleerung > 3 Tage
- Outcome verschlechtert sich bei Paralysedauer > 6 Tage
- Interventionsmöglichkeiten:
- Abklärung der Ätiologie
- Medikamentöse Therapie
Definition
Die untere gastrointestinale Paralyse beschreibt eine Beeinträchtigung der Beweglichkeit und Entleerung des unteren Verdauungstrakts. Hierbei können Symptome wie Verstopfung, Blähungen und abdominelle Schmerzen auftreten. Mögliche Ursachen sind neurologische Erkrankungen, strukturelle Probleme im Darmbereich oder metabolische Störungen.
Verdacht auf mechanische oder entzündliche Ursache der Paralyse
- Ursachen
- Medikamente z.B. Opioide und Alpha-2-Agonisten (z.B. Clonidin, Dexmedetomidin)
- Hypo- oder Hypervolämie
- Erweiterte Diagnosestellung: Röntgen, CT, Ultraschall, evtl. Endoskopie
- Diagnosespezifische Therapie
Kein Verdacht auf mechanische oder entzündliche Ursache der Paralyse
- Schritt1: Laevolac (1/2-1 EL/Tag) oder PEG (Polyethylenglykol) 1-3 Beutel/Tag
- Schritt2: Dulcolax® 10 mg rektal
- Schritt3: Microlax®, Einlauf (Yal®)
- Schritt4: Neostigmin 0,5 -2 mg i.v. (über 4h oder als Bolus)
- Schritt5: Relistor® (8mg bis zu 61kg, 12 mg > 61kg Körpergewicht) subkutan bei Verdacht auf eine opioidinduzierte Paralyse
Besonderheiten
- CAVE Niereninsuffizienz:
- Einlauf: Keine phosphathältigen Lösungen verwenden (wie z.B Klysmol®, Klistier®)
- Polyethylenglykol: Molaxole® enthält Kalium (5,4mmol/l), Forlax® ist kaliumfrei
- Relistor® Therapiedauer maximal 3 Tage (off-label use)
- Ausschluss Ogilvie-Syndrom da osmotische Laxantien kontraindiziert. Bei Colon-Dilatation über 9 cm besteht Perforationsgefahr
AUTOR:INNEN
- Literatur
Webb, Andrew, et al. Oxford textbook of critical care. Oxford University Press, 2016.
Blaser, Annika Reintam, et al. „Gastrointestinal function in intensive care patients: terminology, definitions and management. Recommendations of the ESICM Working Group on Abdominal Problems.“ Intensive care medicine 38.3 (2012): 384-394. (https://doi.org/10.1007%2Fs00134-011-2459-y)
Erstellt am