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Kapitelübersicht
Inhalt
3.4.3
Obere Gastrointestinale Paralyse (Gastroparese) *IP*
Factbox
- Die Kontrolle des gastralen Residualvolumens (GRV) ist nur in besonderen Situationen notwendig (z.B. spezielle ICU-Patient:innen)
- Bei der oberen Gastrointestinalen (GI) Paralyse betroffene Areale sind der Magen und der proximale Dünndarm
- Sekretion im GI-Trakt:
- Gesamtsekretion ca. 7 Liter
- Speichelsekretion ca. 1,5 Liter
- Magensäure ca. 3 Liter
- Dünndarmsekretion ca. 2,5 L
- Effekt Motilitätsstörung und Sekretretention
- Interventionsmöglichkeiten:
Prophylaktische Maßnahmen einleiten
Bei Bedarf Messen des Gastralen Residualvolumens (GRV)
GRV kann, muss aber nicht reinfundiert werden
Definition
Die obere gastrointestinale Paralyse bezeichnet eine Funktionsstörung des Magen-Darm-Trakts, bei der die Beweglichkeit und Entleerung des oberen Verdauungstrakts beeinträchtigt ist. Dies kann zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Aufblähung und Völlegefühl führen. Ursachen können neurologische Erkrankungen, chirurgische Eingriffe oder metabolische Störungen sein.
Prophylaktische Maßnahmen
Enterale Ernährung (EE)
- innerhalb von 24-48h (nach Ebb-Phase)
- zumindest minimale EE
Noxenreduktion durch:
- Blutzuckeroptimierung
- multimodales Schmerzkonzept
- Vermeidung von niedrigem Kalium- und Magnesiumspiegel
- optimierte Sedierung
Gastrales Residualvolumen (GRV)
- Messung der Restmengen aus dem Magen (GRV)
- 1x/d vor Re-Start der EE
Interventionen
Intervention bei GRV<300ml
- Enterale Ernährung wie geplant weiterführen
- GRV weiter kontrollieren
- Gastrokinetika: Motilium® (Domperidon) bis 3 x 10 mg bis max. 1 Woche
Intervention bei GRV 300-500ml
- Enterale Ernährung nicht weiter steigern
- GRV weiter kontrollieren
- Gastrokinetika: Paspertin® (Metoclopramid) 1-3×10 mg i.v. (nach Nierenfunktion) für max. 5 Tage (CAVE: Kontraindikation Mb. Parkinson und Kinder)
Intervention bei GRV > 500-600ml und/oder Erbrechen
- Enterale Ernährung stoppen
- Schritt 1:
- Paspertin® (Metoclopramid) 1-3×10 mg i.v. (nach Nierenfunktion) für max. 5 Tage
- Schritt 2:
- Metoclopramid weiter (CAVE: max. Therapiedauer 5 Tage) plus
- Erythromycin 3x 100mg i.v. für max. 3 Tage
- Bei Normalisierung des GRV
- Medikamentöse Therapie siehe oben
- Re-Start Enterale Ernährung, langsam steigern wenn möglich
- GRV weiter 1x/d kontrollieren
Intervention bei Persistenz oder Aggravierung
- Medikamentöse Therapie
- Paspertin® (Metoclopramid) weiter (CAVE: max. Therapiedauer 5 Tage) plus
- Erythromycin 100mg x 3 iv für max. 3 Tage plus
- Normastigmin KI
- Postpylorische Ernährung andenken
Bei Hinweise auf ein die Gastroparese unterhaltendes Problem - Diagnostik (Ultraschall/Röntgen/CT)
- Diagnosespezifische Therapie einleiten
Besonderheiten
- Frühe enterale Ernährung zum Erhalt der GI-Motilität und Reduktion der bakteriellen Translokation
- Messung des GRV vor allem bei chirurgischen Patient:innen und Risikopatient:innen
- CAVE: Inadäquate Resorption z.B. bei Immunsuppressiva, daher tägliche Kontrolle der Spiegel
AUTOR:INNEN
- Literatur
Webb, Andrew, et al. Oxford textbook of critical care. Oxford University Press, 2016.
Blaser, Annika Reintam, et al. „Gastrointestinal function in intensive care patients: terminology, definitions and management. Recommendations of the ESICM Working Group on Abdominal Problems.“Intensive care medicine 38.3 (2012): 384-394. (https://doi.org/10.1007%2Fs00134-011-2459-y)
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