Kapitelübersicht
Inhalt
1.1.6
Methoden der Untersuchung von Körpergewicht und -zusammensetzung
Factbox
- Messgrößen: Body Mass Index (BMI), Fett-Freie-Masse (FFM), Fettmasse, Muskelmasse, Körperzellmasse können mit Messmethoden ermitelt werden, die nicht 1:1 vergleichbar sind
- Grenzwerte sind von Alter und Geschlecht abhängig und werden zur Beschreibung der Mangelernährung verwendet
- Messmethoden: Anthropometrie, bioelektrische Impedanzanlyse (BIA), Dual Energy X-Ray Absorptiometry (DEXA), Computertomographie, Muskelultraschall
Anthropometrie
Messung von Körpergröße, -gewicht, der Umfänge und Länge verschiedener Körperregionen sowie der Hautfaltendicken.
BEACHTE: Voraussetzung ist eine normale Hydratation des Gewebes und die Relaxation der Muskulatur.
Körpergewicht
- unter standardisierten Bedingungen erheben (Patient:innen wenig bekleidet, barfuß und mit entleerter Blase).
Körpergröße
- im Stehen mit Hilfe einer genormten Messlatte
- Bei alten Patient:innen, die nicht stehen können, wird die Körpergröße zB. über die Bestimmung der Kniehöhe (Fuß-Knie-Abstand) erfasst. (siehe Artikel 1.1.4)
Body Mass Index (BMI)
- BMI= Gewicht in kg/Größe in m² (BMI-Onlinerechner) (Artikel 1.3.1)
- BMI bildet die Grundlage für Adipositas Definition der WHO
- Frauen bzw. ältere Menschen haben bei gleichem BMI einen höheren Fettanteil als Männer bzw. jüngere Menschen. Der Körperfettanteil eines muskulösen Probanden wird durch den BMI ebenfalls überschätzt.
BMI Einteilung laut WHO:
| BMI | Ernährungsstatus |
|---|---|
| < 18.5 | Untergewicht |
| 18.5 – 24.9 | Normalgewicht |
| 25.0 – 29.9 | Präadipositas |
| 30.0 – 34.9 | Adipositas Grad I |
| 35.0 – 39.9 | Adipositas Grad II |
| > 40 | Adipositas Grad III |
Korrekturwerte bei Amputationen
Bei einer Amputation wird das gemessene Gewicht auf ein theoretisches Gewicht korrigiert. Dazu wird mittels nachfolgender Formel, vor der Berechnung des BMI, das Gewicht korrigiert.
Theoretisches Gewicht = Gemessenes Gewicht x 100 geteilt durch (100 –Korrekturwert für den jeweiligen Körperteil).
Das theoretische Gewicht ist nach Berechnung mit dem Korrekturfaktor für den verlorengegangenen Körperteil dementsprechend höher als das real gemessene Gewicht.
| Körperteil | Korrekturwert |
|---|---|
| Hand | 0,8 |
| Unterarm | 2,2 |
| Oberarm | 8,5 |
| ganzer Arm | 11,5 * |
| Fuß | 1,8 |
| Unterschenkel | 5,3 |
| Oberschenkel | 11,6 |
| ganzes Bein | 18,7 ** |
| * Der Korrekturwert eines ganzen Armes berechnet sich aus den einzelnen fehlenden Gliedmaßen, in dem Fall Hand + Unterarm + Oberarm ** Der Korrekturwert eines ganzen Beines berechnet sich aus den einzelnen fehlenden Gliedmaßen, in dem Fall Oberschenkel + Unterschenkel + Fuß |
|
Hautfaltenmessung
- Mittels der Kombination von Hautfalten- und Umfangmessung kann das Ausmaß des Körperfettes und der Skelettmuskulatur beurteilt werden
Umfangmessung- Methodik
| Umfang | Orientierungspunkte | praktische Durchführung |
|---|---|---|
| Oberarmumfang | Mitte Oberarm zwischen Akromion, Olekranon | Mitte des Oberarms markieren. Am hängenden Arm Band horizontal anlegen. |
| Messinstrument: Nicht elastisches Maßband | ||
| Praktische Durchführung: Das Maßband wird locker angelegt. Die Ablesung erfolgt auf einen Millimeter genau. | ||
| Präzision: (Variationskoeffizient, VK): 5-10% | ||
Oberarmumfang (OAU)
Grenzwerte (mm) bei Erwachsenen: 5. und 10. Perzentile – geschlechts- und altersspezifisch

Armmuskelumfang (AMU)
AMU [mm] = OAU [mm] – Pi x THF [mm]
Grenzwerte AMU (mm) bei Erwachsenen: 5. und 10. Perzentile – geschlechts- und altersspezifisch

Armmuskelfläche (AMF)
AMF [mm²] = AMU [mm]² /4 Pi
Grenzwerte AMF (mm²) bei Erwachsenen: 5. und 10.Perzentile – geschlechts- und altersspezifisch

Bioelektrische Impedanzanalyse
Die Untersuchung der Körperzusammensetzung (der Anteil und die Verteilung der einzelnen Kompartimente des Körpers, z.B. Fettmasse, fettfreie Masse, Muskelmasse, Körperwasser) und ihrer Veränderung erlaubt eine differenzierte Diagnostik einer Fehlernährung sowie die Beurteilung der Effizienz von Ernährungsinterventionen und Trainingsprogrammen.
Es wird ein niederfrequenter Wechselstrom über je zwei Hautelektroden an Hand und Fuß appliziert und der Spannungsabfall im Gewebe gemessen. Der Spannungsabfall ist in flüssigkeitsreichen Geweben gering, im Fettgewebe und im Knochen hoch.
Es besteht ein konstanter Zusammenhang zwischen dem Quadrat der Körpergröße, Resistanz und dem Gesamtkörper-Wassergehalt (Total body water, TBW). Mit der BIA werden primär das Körperwasser und in der Folge die freie Fettmasse (FFM) bestimmt.
Für die Errechnung des TBW wurden viele verschiedene Regressionsgleichungen publiziert. Eine bestimmte Formel kann jedoch nicht empfohlen werden. Perzentilenkurven liegen bisher nicht vor. Die Bestimmung des TBW zur Beurteilung von Hydratationsstörungen kann im Verlauf zweckmäßig sein.
Zur Errechnung der einzelnen Parameter steht wiederum eine große Anzahl verschiedener Vorhersageformeln zur Verfügung. Die für eine bestimmte Population entwickelten Formeln sind nur bedingt auf eine andere übertragbar.
Die meisten publizierten Regressionsgleichungen wurden bei Gesunden unter der Annahme normaler Flüssigkeits- und Elektrolytverhältnisse entwickelt. Die Verwendung dieser Formeln zur Bestimmung der Körperzusammensetzung von Kranken und Schwerkranken mit gestörtem Flüssigkeits- bzw. Elektrolythaushalt kann zu fehlerhaften Ergebnissen führen. In der Praxis ist somit die Kenntnis der in der Gerätesoftware verwendeten Formel für die Beurteilung der Validität der Methode für das untersuchte Kollektiv unbedingt erforderlich.
Aus einer Messung von über 5000 Probanden (Alter 15-98 Jahre, BMI 16-47,1 kg/m²) wurde eine Regressionsgleichung (Genfer Formel) zur Errechnung der FFM entwickelt:
FFM = – 4,104 + (0,518 x Grösse2/Resistanz) + (0,231 x Gewicht) + (0,130 x Xc) + 4,229 x Geschlecht
[M = 1,F = 0]
Grenzwerte fettfreie Masse (FFM) [kg] bei Erwachsenen: 5. und 10. Perzentile – geschlechts- und altersspezifisch

Diese Grenzwerte gelten nur, wenn die FFM mit der „Genfer Formel“ errechnet wurde.
Fettmasse (FM)
Die Bestimmung der Fettmasse ergibt sich aus der Differenz zwischen Körpergewicht und FFM, und ist von verschiedenen Einflussfaktoren wie Hydratationszustand und Fettverteilung abhängig. Bei ausgeprägter Adipositas hat der Körperstamm einen größeren Anteil am Körpergewicht, der Rumpf trägt jedoch wesentlich geringer als die Extremitäten zur Ganzkörperimpedanz bei, weshalb die Fettmasse unterschätzt wird. Fehler bei der Abschätzung der FFM führen zu größeren Fehlern bei der Abschätzung der FM.
Grenzwerte Fettmasse in % des Körpergewichtes bei Erwachsenen: 5. und 10. Perzentile – geschlechts- und altersspezifisch

Diese Grenzwerte gelten nur, wenn die FFM mit der „Genfer Formel“ errechnet wurde.
Fettmasse = Körpergewicht – Fettfreie Masse
Wichtig ist auch die genaue Bestimmung der Körpergröße (auf 0,5 cm genau) und des Gewichts (auf 0,1 kg genau). Eine Abweichung der Größe um 2,5 cm hat eine Fehlkalkulation des TBW um 1 l zur Folge. Unter Einhaltung der angegebenen Messbedingungen liegt der Variationskoeffizient unter 5%.
- Literatur
Literatur siehe Artikel 1.1.1
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